Tag-Archiv für 'gewahrsam'

Repression aus dem Blickwinkel von Trans*Menschen

Aussageverweigerung
Der folgende Artikel ist in der Roten Hilfe Zeitung Ende 2010 erschienen.

Unsere Gesellschaft besteht aus zwei Geschlechtern. Welches davon für einen selbst gilt, wird bei der Geburt festgelegt. Eine Selbstzuordnung, oder gar eine Weigerung der Zuordnung ist nicht vorgesehen und stößt in der Regel auf Unverständnis oder sogar auf Gewalt. Es gibt jedoch Menschen, die dieser Norm nicht (komplett) entsprechen. Wenn wir im folgenden Text von Trans*Personen1 reden meinen wir damit Menschen, die sich mit dem ihnen bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht identifizieren. Dies umfasst viele verschiedene Menschen, sowohl solche die sich weder den binären Geschlechtern „Frau und „Mann“ zuordnen, als auch Menschen, die sich einem Geschlecht zuordnen.
Da eigentlich alles in unserer Gesellschaft anhand von Geschlecht strukturiert ist, gibt es unzählige Situationen mit denen Trans*Menschen einen Umgang finden/entwickeln müssen. Da Geschlecht jedoch über Interaktion funktioniert, reicht ein eigener Umgang leider nicht aus. Das Außen stellt sich einfach zu oft quer. Ein Bereich der alle Menschen betreffen kann, aber bei linksradikalen Aktivist*innen1 besonders deutlich präsent ist, ist die Konfrontation mit der Polizei. Das spezielle daran im Bezug auf Geschlecht ist, dass es hier Bereiche gibt, in denen nicht nur unterschwellig und subtil Menschen in Geschlecht sortiert und danach behandelt werden, sondern dass eine explizite Geschlechterzuweisung stattfindet. Dies betrifft vor allem die Situationen von Kontrollen, wo die kontrollierte Person nur von einer Person „gleichen Geschlechts“ durchsucht werden darf und des Polizeigewahrsams bei dem Personen nach Geschlecht sortiert weggeschlossen (Zellen im Gefangenentransporter und in der GeSa) werden. Hier soll es nur um die für Aktivist*innen weit aus häufigere Situation des Gewahrsams gehen. Das Thema U-Haft und Knast wird erst einmal ausgeklammert. (mehr…)

The Long Way Home – Erlebnisse einer Transfrau im Polizeigewahrsam

(English version)

Anfang 2010 wurde ich festgenommen, als ich nach einer Party mit Freund_innen nach Hause gelaufen bin. Ich werde euch die Einzelheiten der Festnahme sparen, da der Prozess noch läuft. Aber ein paar Infos über mich, um den Text besser positionieren zu können – ich bin eine junge weiße Transfrau mit einem westeuropäischen Pass.

Ich wurde von Polizist_innen angegriffen, die mir Handschellen anlegten und mich hinten in einen Polizeiwagen geworfen haben. Dann wurde ich sofort gefragt, ob ich ein Mann oder eine Frau sei. Ich habe geantwortet, dass ich eine Frau bin. Eine Polizistin hat dann angefangen, mich zu durchsuchen. Meine Hände waren in Handschellen hinter meinem Rücken, also konnte sie nicht mehr als meine Hosentaschen und meine Gürteltasche durchsuchen.
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