autotrans* & w.i.r. http://trans.blogsport.de radical left transgender Tue, 11 Feb 2014 19:58:31 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Raise your voice! Your body Your choice – Fe­mi­nis­ti­sche In­hal­te auf die Stra­ße tra­gen http://trans.blogsport.de/2014/02/11/raise-your-voice-your-body-your-choice-feministische-inhalte-auf-die-strasse-tragen/ http://trans.blogsport.de/2014/02/11/raise-your-voice-your-body-your-choice-feministische-inhalte-auf-die-strasse-tragen/#comments Tue, 11 Feb 2014 19:44:56 +0000 w.i.r. AllgemeindemoMünster http://trans.blogsport.de/2014/02/11/raise-your-voice-your-body-your-choice-feministische-inhalte-auf-die-strasse-tragen/ Demo am 22. März in Müns­ter. 11 Uhr am Bre­mer Platz (Hin­ter­aus­gang Haupt­bahn­hof)

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1000-​Kreu­ze-​Mär­sche
Jedes Jahr lau­fen fun­da­men­ta­lis­ti­sche Christ*innen durch Müns­ter. Mit wei­ßen Holz­kreu­zen be­waff­net beten sie gegen Schwan­ger­schafts­ab­brü­che, Ver­hü­tung, Sex vor der Ehe, Ho­mo­se­xua­li­tät und wo­ge­gen Men­schen fun­da­men­ta­lis­ti­scher Aus­rich­tung sonst noch so sind. Die­ser von „eu­ro­pro­li­fe“ or­ga­ni­sier­te Ge­bets­zug fin­det die­ses Jahr am 22. März statt. Auf den ers­ten Blick mag der Ge­bets­zug den Ein­druck einer skur­ri­len Ver­an­stal­tung er­we­cken. Die Kreu­ze­trä­ger*innen er­schei­nen man­chen als ge­sell­schaft­lich nicht ernst zu neh­men­de Min­der­heit. Tat­säch­lich ist die Be­we­gung, die hin­ter Ver­an­stal­tun­gen wie „1000 Kreu­ze für das Leben“ steht, aber keine ex­tre­me und iso­lier­te Rand­er­schei­nung, son­dern Teil einer brei­te­ren ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung. Die an­ti­eman­zi­pa­to­ri­schen und re­ak­tio­nä­ren In­hal­te, für die die Kreuz­trä­ger*innen auf die Stra­ße gehen, fin­den sich in ähn­li­cher Weise auch im ge­sell­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Main­stream, in den so­ge­nann­ten bür­ger­li­chen Par­tei­en und zum Teil auch in der ex­tre­men Rech­ten.

Seit 2009 or­ga­ni­siert sich des­halb ent­schie­de­ner Wi­der­stand gegen den „1000-​Kreu­ze-​Marsch“. Mit ver­schie­de­nen Ak­ti­ons­for­men wird der Ge­bets­zug kri­tisch und laut­stark be­glei­tet und so ent­schlos­sen gegen die re­ak­tio­nä­re Ideo­lo­gie der Christ*innen pro­tes­tiert. Im letz­ten Jahr gab es erst­mals eine große und kraft­vol­le De­mons­tra­ti­on des Bünd­nis­ses „Gegen 1000 Kreu­ze“, die den In­hal­ten der christ­li­chen Fun­da­men­ta­list*innen ei­ge­ne fe­mi­nis­ti­sche und eman­zi­pa­to­ri­sche Po­si­tio­nen durch An­eig­nung des öf­fent­li­chen Raums ent­ge­gen­set­zen konn­te. Wäh­rend wir im Laufe der Jahre immer mehr wur­den, wur­den die Teil­neh­mer*innen des „Kreu­ze-​Mar­sches“ im Laufe der Jahre immer we­ni­ger. In an­de­ren Städ­ten ver­läuft die Ent­wick­lung al­ler­dings an­ders. In Ber­lin bei­spiels­wei­se neh­men an einem ver­gleich­ba­ren Marsch mitt­ler­wei­le über 2000 Men­schen teil.
Auch des­we­gen ist es nach wie vor wich­tig, nicht nur den Kreu­ze­trä­ger*innen, son­dern allen re­ak­tio­nä­ren Po­si­tio­nen eman­zi­pa­to­ri­sche In­hal­te ent­ge­gen­zu­set­zen.

„My body my choice“ bleibt un­se­re Pa­ro­le!

Im Ge­gen­satz zu den christ­li­chen Fun­da­men­ta­list*innen, die Men­schen in ihren re­pro­duk­ti­ven Rech­ten ein­schrän­ken – ihnen also ver­weh­ren wol­len, über ihren Kör­per, ihre Se­xua­li­tät und ihre ge­schlecht­li­che Iden­ti­tät frei zu ent­schei­den –, for­dern wir das kon­se­quen­te Recht auf Selbst­be­stim­mung in allen Fra­gen zu Kör­per, Ge­schlecht­lich­keit und Re­pro­duk­ti­on. Dazu ge­hört das Recht auf selbst­be­stimm­te Se­xua­li­tät eben­so wie die freie Ent­schei­dung dar­über, (keine) Kin­der zu haben, der Zu­gang zu si­che­ren und be­zahl­ba­ren Ver­hü­tungs­mit­teln sowie das Recht auf me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung und Be­hand­lung. Selbst­be­stim­mung heißt für uns, eine au­to­no­me Ent­schei­dung tref­fen zu kön­nen, und die­ses Recht endet erst dort, wo die Selbst­be­stim­mung einer an­de­ren ei­gen­stän­di­gen Per­son an­fängt. Eine ei­gen­stän­di­ge Per­son ent­steht nicht be­reits im Mo­ment der Be­fruch­tung einer Ei­zel­le.

Auch ge­samt­ge­sell­schaft­lich ist der Be­reich der re­pro­duk­ti­ven Rech­te ein um­kämpf­tes und re­gle­men­tier­tes Ter­rain. Die Ant­wor­ten auf Fra­gen wie „Wer kann/soll/muss/darf in die­ser Ge­sell­schaft Kin­der be­kom­men oder für Kin­der sor­gen? Wel­che Men­schen wer­den in wel­cher Weise in ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung ge­nom­men oder ge­drängt? Wer ver­sucht wie über wes­sen Kör­per zu be­stim­men? Und wel­che Föten sol­len aus­ge­tra­gen wer­den und wel­che nicht?“ spie­geln sich in ge­sell­schaft­li­chen Nor­men wider. Sie schla­gen sich in fa­mi­li­en-​, ge­sund­heits-​ und so­zi­al­po­li­ti­schen Maß­nah­men wie Be­treu­ungs­geld, El­tern­geld, Ad­op­ti­ons­recht (als he­te­ro­se­xu­el­les Pri­vi­leg), (Nicht-​)Fi­nan­zie­rung von Ver­hü­tungs­mit­teln und dem er­schwer­ten Zu­gang zu Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen nie­der.

Der staat­li­che Ein­griff in die re­pro­duk­ti­ven Rech­te der*des Ein­zel­nen zeigt sich zum Bei­spiel im ge­setz­li­chen Um­gang mit Ver­hü­tungs­mit­teln. Als eines der letz­ten eu­ro­päi­schen Län­der sperrt sich Deutsch­land gegen die Auf­he­bung der Re­zept­pflicht für die „Pille da­nach“. Wer das Me­di­ka­ment be­nö­tigt, muss zu einem*r Ärzt*in bzw. einem Kran­ken­haus Kon­takt auf­neh­men und kann dort, je nach kon­fes­sio­nel­ler Aus­rich­tung der Ein­rich­tung, ab­ge­wie­sen wer­den. Der Bun­des­rat hat im No­vem­ber die Re­zept­frei­heit der „Pille da­nach“ be­schlos­sen. Es fehlt al­ler­dings bis­her die Zu­stim­mung der Re­gie­rung, die wei­ter­hin an der CDU/CSU schei­tert. Re­li­giö­se Fun­da­men­ta­list*innen leh­nen die „Pille da­nach“ grund­sätz­lich ab, weil es für sie be­reits Mord ist, wenn das Ein­nis­ten einer be­fruch­te­ten Ei­zel­le ver­hin­dert wird.

(Fun­da­men­ta­lis­ti­sche) Christ*innen ver­su­chen nicht nur durch „1000-​Kreu­ze-​Mär­sche“, an­de­ren ihre Mo­ral­vor­stel­lun­gen auf­zu­zwin­gen. Im Rah­men von so­ge­nann­ten Geh­steig­be­ra­tun­gen be­läs­ti­gen sie au­ßer­dem Schwan­ge­re und Ärzt*innen vor Kli­ni­ken mit Hor­ror­ge­schich­ten über Schwan­ger­schafts­ab­brü­che und deren ver­meint­li­che Fol­gen.
Da­ne­ben gibt es zu­neh­mend ak­ti­ve Lob­by­ar­beit in Po­li­tik und Ge­sell­schaft. Immer mehr Be­ra­tungs­stel­len zum Thema Schwan­ger­schafts­ab­bruch sind in christ­li­cher Trä­ger­schaft. Diese geben vor, er­geb­nis­of­fen zu be­ra­ten. Bei Be­trach­tung ihrer Home­pages oder dem Be­such in den Be­ra­tungs­ein­rich­tun­gen wird aber schnell deut­lich, dass die meis­ten alles dafür tun, dass Schwan­ge­re keine Ab­brü­che vor­neh­men und alle Föten aus­ge­tra­gen wer­den.

Glei­che Schei­ße, an­de­res Eti­kett

Je nach Ideo­lo­gie und Welt­an­schau­ung wer­den An­grif­fe auf die re­pro­duk­ti­ve Selbst­be­stim­mung der*des Ein­zel­nen un­ter­schied­lich be­grün­det. Christ­li­che Fun­da­men­ta­list*innen und selbst­er­nann­te Le­bens­schüt­zer*innen ord­nen – ent­spre­chend ihrem re­li­giö­sen Ko­or­di­na­ten­sys­tem – das Selbst­be­stim­mungs­recht der Ge­bä­ren­den dem „Recht jedes un­ge­bo­re­nen Le­bens“ und dem ver­meint­li­chen „Wil­len Got­tes“ unter. Rechts­po­pu­list*innen wie Thilo Sar­ra­zin oder Eva Her­man be­mü­hen sich im na­tio­na­lis­tisch-​eli­tä­ren In­ter­es­se vor allem um die Föten deut­scher (Bil­dungs-​)Eli­ten, wäh­rend die ex­tre­me Rech­te ihre Re­pro­duk­ti­ons­po­li­tik am ras­sis­ti­schen Ideal eines „ge­sun­den und rein­ras­si­gen Volks­kör­pers“ ori­en­tiert. Aber auch in den De­bat­ten der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft jen­seits von Sar­ra­zin und Co. ste­hen hin­ter der Frage da­nach, wel­che Kin­der er­wünscht sind und wel­che nicht, ge­sell­schafts­po­li­ti­sche In­ter­es­sen und Vor­stel­lun­gen, die zur Re­gle­men­tie­rung der re­pro­duk­ti­ven Rech­te der*des Ein­zel­nen füh­ren.

Wie hoch das ge­sell­schaft­li­che Be­dürf­nis nach „ge­sun­den“/der Norm ent­spre­chen­den Föten und Kin­dern ist, zeigt sich be­son­ders deut­lich in der ak­tu­el­len me­di­zi­ni­schen For­schung und Pra­xis. Die Deu­tungs­ho­heit über re­pro­duk­ti­ve Fra­gen und dar­über, was als ein „le­bens­wer­tes“ Leben an­ge­se­hen wird, wurde wei­test­ge­hend in die­sen me­di­zi­ni­schen Be­reich ver­la­gert. Statt die ge­sell­schaft­li­chen, so­zia­len und le­bens­prak­ti­schen Be­din­gun­gen für Men­schen, die nach me­di­zi­ni­schen Maß­stä­ben von der Norm ab­wei­chen, zu ver­bes­sern, wer­den immer neue Me­tho­den der prä­na­ta­len Dia­gnos­tik ent­wi­ckelt, um so be­ein­flus­sen zu kön­nen, wel­che Föten über­haupt aus­ge­tra­gen wer­den. Der Druck von Sei­ten der Me­di­zin und Ge­sell­schaft auf Schwan­ge­re, ein ver­meint­lich be­hin­der­tes Kind nicht aus­zu­tra­gen, ist hoch. Auch hier wird Schwan­ge­ren das Recht auf Selbst­be­stim­mung und die Mög­lich­keit einer wirk­lich frei­en Ent­schei­dung ohne Zwän­ge, Zeit- und Fi­nanz­druck er­schwert. Und hier zei­gen sich die Wi­der­sprü­che be­son­ders deut­lich: Sind Schwan­ger­schafts­ab­brü­che ge­sell­schaft­lich immer noch eher ver­ur­teilt als ak­zep­tiert und il­le­gal (trotz Aus­set­zung der Straf­bar­keit bis zur 12ten Woche), so wer­den sie, wenn ver­mu­tet wird, dass der Fötus nicht der Norm ent­spricht, auf ein­mal legal.
Zu den so­ge­nann­ten me­di­zi­ni­schen In­di­ka­tio­nen zählt auch die Dia­gno­se „Tri­so­mie 21“, mit der die Wahr­schein­lich­keit recht hoch ist, dass der Fötus mit dem so­ge­nann­ten Down-​Syn­drom zur Welt kommt. Aus der Per­spek­ti­ve der Schwan­ge­ren mit einer sol­chen Dia­gno­se ent­steht ein gro­ßer Druck, die Schwan­ger­schaft ab­zu­bre­chen. Aus der Per­spek­ti­ve der Men­schen mit Tri­so­mie 21 wird durch die­sen ge­sell­schaft­li­chen Druck der Ein­druck ver­mit­telt, dass es sie ei­gent­lich gar nicht geben soll­te. Auch bei der Wahr­schein­lich­keit von Zwi­schen­ge­schlecht­lich­keit raten ei­ni­ge Ärzt*innen zu einem Ab­bruch. Ge­wünscht sind le­dig­lich Babys ohne Ab­wei­chun­gen von zen­tra­len ge­sell­schaft­li­chen Nor­men.

„Keim­zel­le der Na­ti­on“

Auch in den De­bat­ten um „de­mo­gra­phi­schen Wan­del“ und „al­tern­de Ge­sell­schaft“ zeigt sich deut­lich, dass alle Ent­schei­dun­gen rund um das Thema „(Nicht-​)Ge­bä­ren und (Nicht-​)Be­treu­en von Kin­dern“ kei­nes­wegs dem*der Ein­zel­nen über­las­sen sind. Im Ge­gen­teil wird das Thema „(keine) Kin­der“ un­mit­tel­bar mit der Frage nach dem Fort­be­stand der Na­ti­on, der Ab­si­che­rung des ge­sell­schaft­li­chen Wohl­stands und der Auf­recht­er­hal­tung des so­zia­len Frie­dens ver­knüpft und damit im schlech­tes­ten Sinne des Wor­tes zu einer Ge­mein­schafts­auf­ga­be er­klärt. Ein Er­geb­nis die­ses Pro­zes­ses sind fa­mi­li­en-​ und so­zi­al­po­li­ti­sche Steue­rungs­maß­nah­men, die vor allem auf eines zie­len: Gut aus­ge­bil­de­te und gut ver­die­nen­de Men­schen sol­len in he­te­ro­se­xu­el­len Part­ner­schaf­ten ge­sun­de Kin­der ge­bä­ren und diese zu pro­duk­ti­ven, also ver­wert­ba­ren Mit­glie­dern der Ge­sell­schaft er­zie­hen.

Ob­wohl die Rea­li­tä­ten an­ders aus­se­hen, wird die he­te­ro­se­xu­el­le Klein­fa­mi­lie damit als „Keim­zel­le der Ge­sell­schaft“ und al­lein an­zu­stre­ben­des Ideal auf­recht­er­hal­ten. Dabei soll­te nicht ver­ges­sen wer­den, dass die bür­ger­li­che Klein­fa­mi­lie als Ideal erst im Ka­pi­ta­lis­mus im Zuge der Ver­ein­zelung und der Aus­la­ge­rung der Ar­beits­stät­ten auf­kam. Die he­te­ro­se­xu­el­le Klein­fa­mi­lie gilt nach wie vor als Fun­da­ment des Staa­tes und als ge­sell­schaft­li­ches Ideal. Allen, die die­sem Ideal nicht hin­ter­her­he­cheln, soll die Ent­schei­dung „Kin­der oder keine“ ab­ge­nom­men wer­den. Dies be­trifft ins­be­son­de­re ho­mo­se­xu­el­le und tran­s­iden­te Men­schen, die in die­ser Frage auch recht­lich be­nach­tei­ligt wer­den. Trotz aller li­be­ra­len Lip­pen­be­kennt­nis­se zeigt sich in die­ser Dis­kri­mi­nie­rungs­pra­xis auch die ge­sell­schaft­li­che Macht der Angst vor Ho­mo­se­xua­li­tät und Tran­s­iden­ti­tät. Die Feind­schaft gegen ho­mo­se­xu­el­le und tran­s­iden­te Men­schen er­hält damit per­ma­nent Nähr­bo­den.

8. März – In­ter­na­tio­na­ler Frau­en­kampf­tag

Zum Zeit­punkt des Auf­ruf­s­chrei­bens sind wir davon aus­ge­gan­gen, dass der Marsch die­ses Jahr am 8. März statt­fin­det. Ist jetzt aber am 22.

Ver­mut­lich zie­hen die fun­da­men­ta­lis­ti­schen Christ*innen mit ihren re­ak­tio­nä­ren In­hal­ten aus­ge­rech­net am 8. März, dem in­ter­na­tio­na­len Frau­en­kampf­tag, durch Müns­ter (unser Kennt­nis­stand zum Zeit­punkt des Auf­ruf­s­chrei­bens). Für viele von uns hat die­ser Tag nach wie vor eine große Be­deu­tung, denn seit An­fang des 20. Jahr­hun­derts wer­den am 8. März in vie­len Län­dern die­ser Welt For­de­run­gen nach einem bes­se­ren Leben jen­seits pa­tri­ar­cha­ler und ka­pi­ta­lis­ti­scher Struk­tu­ren auf die Stra­ße ge­tra­gen. Auch wenn für uns die Ka­te­go­rie Frau nicht (mehr) der we­sent­li­che Be­zugs­punkt für un­se­ren Kampf um Be­frei­ung ist und wir es für wich­tig hal­ten, die Ver­schrän­kung und Wir­kung ver­schie­de­ner Dis­kri­mi­nie­rungs­struk­tu­ren (Se­xis­mus, Ras­sis­mus …) zu be­grei­fen, be­zie­hen wir uns den­noch nach wie vor auf die­sen Frau­en­kampf­tag. Dabei geht es uns nicht nur darum, aus einer Not­wen­dig­keit her­aus die­sen Tag mit fe­mi­nis­ti­schen In­hal­ten zu be­set­zen. Viel­mehr wol­len wir sicht­bar ma­chen, dass das Fest­hal­ten an pa­tri­ar­cha­len und ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen auch heute noch dazu führt, dass alle Men­schen, die die­sen An­for­de­run­gen nicht ent­spre­chen oder wi­der­spre­chen, den un­ter­schied­lichs­ten For­men von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt sind. Diese ge­sell­schaft­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen tref­fen nicht nur Frau­en, son­dern u. a. auch Les­ben-​Trans*-​In­ter und all jene, die jen­seits von Gen­der-​Ka­te­go­ri­en ihr Leben ge­stal­ten wol­len. Ohne die Kämp­fe der Frau­en­be­we­gun­gen wären die Le­bens­be­din­gun­gen für Frau­en­Les­benIn­ter­Trans* welt­weit noch schlech­ter, als sie es oh­ne­hin immer noch sind.

What so­lu­ti­on? Re­vo­lu­ti­on!

Vie­les von dem, was der Ka­pi­ta­lis­mus an Zer­stö­run­gen und Ver­ro­hun­gen her­vor­bringt, kri­ti­sie­ren auch die fun­da­men­ta­lis­ti­schen Christ*innen, die jedes Jahr in Müns­ter auf­mar­schie­ren. Auch wenn die Kri­tik an man­chen Punk­ten auf Miss­stän­de zielt, die auch wir kri­ti­sie­ren, wie zum Bei­spiel die Be­wer­tung von Men­schen auf­grund von ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­in­ter­es­sen, so sind so­wohl die Grund­la­gen un­se­rer Kri­tik als auch die Uto­pi­en, die wir an­stre­ben, grund­le­gend ver­schie­den von denen der Christ*innen: Ein ent­schei­den­der Be­stand­teil von Re­li­gio­nen und Staa­ten ist, dass sie au­to­ri­tär und re­pres­siv, durch Angst-​ und Straf­an­dro­hun­gen funk­tio­nie­ren. Wir aber wol­len keine Len­kung durch einen ver­meint­lich bes­se­ren Staat, keine mo­ra­li­sche oder in­sti­tu­tio­nel­le Füh­rung durch ver­meint­lich gött­li­che Vor­se­hung, Re­li­gi­on oder Kir­che. Wir kämp­fen für eine herr­schafts­freie Ge­sell­schaft mit Men­schen, die selbst­be­stimmt und so­li­da­risch mit­ein­an­der leben und han­deln kön­nen.

Kein Gott, kein Staat, kein Pa­tri­ar­chat!

Raise your voice! Your body your choice!

Kommt zur Demo nach Müns­ter am 22. März 2014 .

Fe­mi­nis­ti­sche In­hal­te auf die Stra­ße tra­gen! Für ein selbst­be­stimm­tes Leben und eine herr­schafts­freie Ge­sell­schaft!

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Kritik am Aufruf zum 8. März in Berlin http://trans.blogsport.de/2014/01/23/kritik-am-aufruf-zum-8-maerz-in-berlin/ http://trans.blogsport.de/2014/01/23/kritik-am-aufruf-zum-8-maerz-in-berlin/#comments Thu, 23 Jan 2014 10:27:09 +0000 w.i.r. AllgemeindemoFrauenräumeKritik http://trans.blogsport.de/2014/01/23/kritik-am-aufruf-zum-8-maerz-in-berlin/ Demobanner

Dieser Text ging als Mail auch an das Vorbereitungsbündnis:

Liebes Vorbereitungsbündnis der Demo am 8. März in Berlin,

erstmal finden wir es toll, dass ihr den 8. März wieder aufleben lassen wollt und ihn vor allem politisch füllen und nicht Rosen verteilen wollt.

Nachdem Trans*Frauen jahrzehntelang in vielen frauenbezogenen Zusammenhängen offensiv ausgegrenzt wurden, freuen wir uns außerdem, dass im Aufruf zum Frauenkampftag 2014 Trans* und Inter* explizit mitgenannt werden. Wir hoffen, dass dies – jenseits des Aufrufes – auch real dazu führt, dass alle Frauen willkommen sind und weder explizit ausgeschlossen noch subtil ausgegrenzt werden.

Dennoch sind wir mit eurer Frauen*-Definition sehr unzufrieden.

„Frauen* = Wir haben den Begriff »Frauen« und »Mädchen« mit Sternchen* markiert. Damit schließen wir Trans*und Inter*-Menschen explizit ein. Egal wie du aussiehst oder als was du bei der Geburt eingeordnet wurdest – unser Feminismus schließt dich ein. Wir wählen den Begriff Frauen*kampftag, um an frühere feministische Kämpfe anzuknüpfen, deren Forderungen leider immer noch nicht umgesetzt sind. Außerdem wollen wir diejenigen einschließen, die sich nicht als Frauen* verstehen, aber gleichermaßen von sexistischer Diskriminierung betroffen sind, weil sie im Alltag als Frauen* gelesen werden.“

Trans*Männer, männliche Trans*, Trans*Jungs sind KEINE Frauen – weder mit noch ohne Sternchen. Mit eurer Definition schließt ihr Menschen mit ein, die sich jahrelang gegen die Zwangseinordnung als Frau gewehrt haben und/oder es immer noch tun. Damit übergeht ihr leider jegliche Selbstverortung von Trans*menschen.

Um es deutlich zu sagen: Wir, als sich eher männlich verstehender Teil unserer Trans*vernetzung aus NRW, möchten nicht vereinnahmt und in Kategorien zwangsweise eingeschlossen werden, die für uns nicht zutreffen.

Trans*Frauen und Inter*Frauen sind Frauen. Ob mit oder ohne Sternchen. Wir verstehen das Sternchen bei Frauen* eher als Zeichen dafür, dass die Kategorie Frau konstruiert ist. Dann gehört es ebenso zu der Bezeichnung Mann, was bei eurem Aufruf nicht vorkommt (warum eigentlich nicht?).

Wir hoffen ihr könnt unsere Kritik nachvollziehen.

Weiterhin eine erfolgreiche Vorbereitung wünscht

w.i.r. – linksradikale Trans*vernetzung NRW

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Kampagne für einen Dritten Geschlechtseintrag http://trans.blogsport.de/2013/12/02/kampagne-fuer-einen-dritten-geschlechtseintrag/ http://trans.blogsport.de/2013/12/02/kampagne-fuer-einen-dritten-geschlechtseintrag/#comments Mon, 02 Dec 2013 13:35:00 +0000 w.i.r. Allgemein http://trans.blogsport.de/2013/12/02/kampagne-fuer-einen-dritten-geschlechtseintrag/

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Sa: 11.05. „Die Orsons“ in Dortmund – Transphobie und Sexismus welcome? http://trans.blogsport.de/2013/05/10/sa-18-05-die-orsons-in-dortmund-transphobie-und-sexismus-welcome/ http://trans.blogsport.de/2013/05/10/sa-18-05-die-orsons-in-dortmund-transphobie-und-sexismus-welcome/#comments Fri, 10 May 2013 08:10:39 +0000 w.i.r. Allgemein http://trans.blogsport.de/2013/05/10/sa-18-05-die-orsons-in-dortmund-transphobie-und-sexismus-welcome/ Der Text erschien zuerst bei s1r.

Alles nur Ironie aka Kunst darf alles

Seit einer Weile auf der mentalen Textproduktions-To-Do-List war ein Text zu den Orsons. Durch die Erkenntnis, dass selbige am 11. Mai 2013 in Dortmund auf einem Jugendcamp, organisiert von Falken und Jusos, spielen, hat sich die Fertigstellung ein ganz klein wenig beschleunigt. Zur Info: In dem Artikel kommen Songzitate der Band vor, die transphop und antisemitisch sind und sexualisierte Gewalt beschreiben.

So langweilig, wie unglaublich: Die Tatsache, dass es Leute – auch „Künstler“ genannt – gibt, deren Ego scheinbar so viel mentalen Raum einnimmt, dass kein Platz mehr für Vernunft ist. Viel unglaublicher jedoch die Tatsache, dass deren Masche auch noch auf Resonanz stößt. Aus dem Deutsch-Grundkurs ist ihnen scheinbar nur dunkel in Erinnerung geblieben, dass es ein Stilmittel namens „Ironie“ gibt, dass die brauchbare Verwendung von Ironie allerdings intelligente Texte – und auch nachdenkende Zuhörer*innen – voraussetzt, ist ihnen jedoch entgangen.

Folge: Stumpfe Texte, die im Niveau eindeutig auf einer Ebene mit Haftbefehl rangieren, jedoch durch die Performance der „Künstler“ behaupten irgendwie ironisch (= lustig, aber trotzdem mit guten Inhalten) zu sein.

Dazu bleibt eigentlich nur zu sagen: Ich hab nichts prinzipiell gegen Humor. Nur ist Sexismus nicht lustig. Genauso wenig wie Transphobie, sexualisierte Gewalt und Antisemitismus.

Wovon ich eigentlich rede? Davon, dass eine grottenolm-schlechte Band wie “Die Orsons” fetten inhaltlichen Müll absondern darf ohne große Konsequenzen. Ach doch, Konsequenzen gibt es: Erfolg. Immerhin ist die Palette der anstehenden Gigs recht bunt: Vom “Workers Youth Festival” der Falken und Jusos bin hin zum Rock am Ring.

Das Musik und vor allem Rap zum Großteil daraus besteht, dass von ihrer Männlichkeit sehr überzeugte CisMänner Texte aus männlicher Perspektive an einen imaginierten männlichen Zuhörer richten (und dann trotzdem auch von Frauen gehört werden, aber das ist ein anderes Thema) ist man ja schon gewöhnt, aber die Orsons schaffen es doch noch ein negatives Highlight zu sein. Und trotzdem: Öffentliche Kritik: Fehlanzeige. Kritische Auseinandersetzung in Rezensionen: Nö.

Warum sie ein negatives Highlight sind, ist in wenigen Worten gesagt:

„Ich steh da mit meinem Steifen und denk; „ah okay richtig geil!“ jetzt wird es Zeit für K.O.-Tropfen im Wein“ aus Beatles Piraten


Vorweg: Ich glaube nicht, dass die Band irgendeine kritische Intention hat. Aber: Es ist völlig irrelevant, was die Intention dieser Zeilen war. Sexualisierte Gewalt ist kein Stilmittel. Es gibt keine einzige Rechtfertigung dafür so ein Setting mal kurz am Rande in einen völlig belanglosen Songtext einzubauen. Checkt es mal: Das was ihr da „besingt“ ist Realität! Und taugt kein bisschen für eure pubertären Tabubrecher-Allüren. Wenn ihr Tabubrecher sein wollt eine hilfreiche Info: Vergewaltigungsphantasien sind nicht sonderlich originell. Originell wäre ein klares Statement gegen die Verharmlosung von sexualisierter Gewalt.

Aber das ist nicht so eures, wa? Immerhin konsequent dann noch folgenden Text rauzuhauen: sexuell belästigt.

Ein Zitat daraus:

„Gib mir deine Hand; ach ich greif einfach zu. Für mich ist es Liebe pur, doch Du fühlst dich nur sexuell belästigt.“

Nach Sexismus und vor allem der Verharmlosung bis Verherrlichung von Vergewaltigung ist das zweitliebste Thema im Rap ja das Reproduzieren von antisemitischen Ressentiments (mehr dazu u.a. hier und hier). Auch da lassen die Orsons sich nicht lange bitten und machen auch nicht erst komplizierte Andeutung, die man erst entschlüsseln muss: Nein – schön gerade heraus. Subtilität ist nicht ihr Metier – (würde ja auch wieder einen gewissen Grad an Geist voraussetzten):

„Ich will, dass Frauen in meine Wohnung laufen und locke sie wie jüdische Pädophile im Auto, „Hey, willst du nen Bonbon kaufen?“ aus Beatles Piraten

Angesichts des im deutschen Rap allgegenwärtigen Sexismus und Antisemitismus, hat die Band sich dann aber doch bemüht noch einen Joker zu ziehen und noch eine bisher zu wenig durch Rap beachtete Diskriminierungsstruktur zu ihrem ganz persönlichen Hobby gemacht: Transphobie

Zur Einstimmung:

“Ich bin Proletrapper, geh raus und erstech ein paar Transen.“ aus Beatles Piraten

Höhepunkt: “Horst und Monika”

Eigentlich spricht der Song für sich. Und auch hier ist es so was von egal was, besser: ob sich die Orsons was beim Song gedacht haben. Die Story des Songs handelt von einer realen Person und wurde ohne Wissen dieser Person veröffentlicht und wird gegen ihrem Willen weiter gespielt. (Hier kommt sie in einem Interview selber zu Wort.)

Der Song ist klassischer Cis*perspektiven-Voyeurismus. Die Lebensgeschichte einer Trans*Person wird gegen ihren Willen zu einem hippen Popsong verarbeiten. Es geht darin nicht um Verständnis und Aufklärung zur Situation von Trans*Menschen. Worum es geht ist einfach das voyeuristische Vergnügen an einer für Außenstehende absurd wirkenden Story.

Die Presseartikel zu der Lebensgeschichte von Monika basieren auf einem Zwangsouting durch die NPD. Das heißt sie hat das öffentliche Outing als Trans*Person nicht selbst gewählt. Der Song reproduziert diesen Zwang und sorgt für weitere ungewollte Öffentlichkeit.

Fern ab von dem übergriffigen Verhalten gegenüber der konkreten Person werden in dem Song die üblichen transphoben Stilmittel benutzt und unsinnige Klischeevorstellungen reproduziert. Also nochmal kurz zum Mitschreiben: Eine Person, die sich als Frau identifiziert ist als Frau zu bezeichnen und nicht als Mann. Denn nur eine Person selber kann ihre eigene Geschlechtsidentität definieren. Niemand wird durch eine Genital-OP zur Frau, sie ist es schon vorher – es werden “lediglich” einzelne Details des Körpers einer gesellschaftlichen Vorstellung vom Aussehen von „Männern“ und „Frauen“ angepasst. Auch wird eine solche OP und auch ein Outing als Trans*Person, bzw. eine Namensänderung nicht mal eben einfach so gemacht; quasi spontan. Und: Niemanden geht der ursprüngliche Geburtsname einer Person etwas an.

Wer mehr zu einem nichttransphoben, respektvollen Umgang wissen möchte, kann sich kurz und länger informieren.

Und wer immer reflexartig an das Gute nicht nur im Menschen, sondern auch im Künstler glaubt: Nachdem die Band mit der Kritik an dem Song – explizit auch von der besungenen Person – konfrontiert wurde, tat sie Folgendes: Eine kurzes Statement auf Facebook veröffentlichen, dass sie überhaupt gar nicht transphop sind und der Song auch nicht; den Song auf der Homepage nicht löschen, den Song auf Konzerten weiterhin spielen.

Das Statement selber ist auch bestenfalls humoristisch zu nennen. Ein Auszug:

“Wir finden es schade, dass im Jahr 2012 offenbar teilweise noch immer das Vorurteil herrscht, transsexuelle Menschen seien psychisch krank. Dass dieser Unsinn nach wie vor gedacht und behauptet zu werden scheint, hat uns sehr schockiert.”

„behauptet zu werden scheint“ – so ganz können sie es sich scheinbar immer noch nicht vorstellen. Wunderbar karrikieren sie damit auch ihre vorherige Aussage, dass die Intention des Songs „Aufklärung“ war. Aufklärung über etwas von dem man selber zugibt nicht die geringste Ahnung zu haben? Suuuper Ansatz.

Zum Gesamtsetting passt auch der Umgang der Fans mit dem Song und der Kritik daran. Das schlimmste was sich die Leute vorstellen können ist, dass die Kritik dazu führen könnte, dass ein Auftritt ausfällt. Wenn man sich die Reaktionen in Kommentarspalten anguckt ist das Netteste noch, dass die Band für ihre Pseudoentschuldigung abgefeiert wird – ohne irgendwelche Kritik an dem Song; der ist selbstverständlich total cool. Vorherrschend sind jedoch die üblichen „Spaßbremsen“-Kommentare und vor allem viel Transphobie. So wurden auch Teilnehmerinnen einer Kundgebung vor einem Orsons-Konzert in Berlin transphop beleidigt.

Bleibt also zuletzt nur noch die Frage: What the hell machen die auf einem Jugendcamp der Falken/Jusos? Unter anderem auch dort als “Kulturprogramm”: Feine Sahne Fischfilet, Sookee, Antilopengang, Tapete And The Crying Woelf, Elektro Loox, BadaBumm und Bini Adamczak.

Naja, vielleicht soll das ganze ja auch nur ein Aktionsangebot sein, z.B. für die Teilnehmenden dieser Camp-Workshops:

“Gemeinsam packen wir es an!

Was haben Männer mit Feminismus zutun und wie schaffen wir die Emanzipation gemeinsam mit Männern und Frauen? Und wieso werden bestimmte Themen wie sexuelle Gewalt oder Sexismusals klassische Frauenthemen behandelt,obwohl es doch ein gesamtgesellschaftliches Problem ist? Diese Fragen wollen wir gemeinsam diskutieren.”

”Und Brüderle war erst der Anfang… Wie bekämpfen wir Sexismus in unserer Gesellschaft?!

Dürre Models im Fernsehen. LehrerInnen, die behaupten: „Mädchen könnten eh kein Mathe“. WohnungsbesitzerInnen, die keine gleichgeschlechtlichen Paare wollen. Wie bekämpfen wir Sexismus in der Gesellschaft? Was sindgute Strategien hierfür?”

P.S.: Bei wem es noch nicht angekommen sein sollte: Homophobie und Transphobie ist nie okay. Auch nicht als “antifaschistische Beleidigung/Aktion”.

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http://trans.blogsport.de/2013/05/10/sa-18-05-die-orsons-in-dortmund-transphobie-und-sexismus-welcome/feed/
30.04. Take Back the Night – Demo in Hamburg http://trans.blogsport.de/2013/04/15/30-04-take-back-the-night-demo-in-hamburg/ http://trans.blogsport.de/2013/04/15/30-04-take-back-the-night-demo-in-hamburg/#comments Mon, 15 Apr 2013 14:08:36 +0000 w.i.r. Allgemein http://trans.blogsport.de/2013/04/15/30-04-take-back-the-night-demo-in-hamburg/ Gegen jegliche Zustände, die unsichtbar machen – am Tag und in der Nacht!

Wir laden euch, alle Nicht-Cis-Männer*1, zu einer Demo ein! Am Abend des 30. April, an dem üblicherweise gefeiert wird, weil alle am 1. Mai frei haben, wollen wir mit euch als Demo auf die Straße gehen. Wir wollen laut und sichtbar werden, um den sexistischen, heterosexistischen, patriarchalen Verhältnissen etwas entgegenzusetzen. Willkommen sind alle, egal wie sie sich definieren, nur eben keine Cis-Männer*.
Auch wenn wir hier als „Wir“ schreiben, ist es uns wichtig darauf hinzuweisen, dass eine Abgrenzung von Cis-Männern* nicht bedeutet, dass alle, die wir hiermit zur Demo einladen, eine einheitliche Gruppe mit gleichen Erfahrungen und Perspektiven sind. Deshalb glauben wir als Orgagruppe auch nicht, für all diejenigen, die keine Cis-Männer* sind, sprechen zu können.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der spätestens nach der Geburt bestimmte Identitätsstrukturen eines Kindes festgelegt werden. Die familiären Zusammenhänge und die ökonomische Situation der Familie, in die ein Kind hinein geboren wird, haben nach wie vor unmittelbaren Einfluss darauf, ob und wie eine Person Zugang zu gesellschaftlichen Bereichen wie zum Beispiel Bildung hat. Sofort wird bestimmt, ob das Kind able bodied ist oder nicht, ob es weiß ist oder nicht, und es wird festgelegt, welches Geschlecht es hat. In all diesen beispielhaft genannten Kategorien gibt es ein vermeintliches „Normal“ und ein davon abgegrenztes „Unnormal“. Die Einteilung in diese Gegensätze bestimmt fortlaufend die Identität einer Person: Sie gibt Privilegien oder weist Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen als nicht „normal“ klassifiziert werden, eine minderwertige Position in der Gesellschaft zu. Weiß wird automatisch auch als männlich*, ökonomisch unabhängig und able bodied gedacht und stellt somit die am meisten privilegierte Position dar. Diese Position zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie als durchschnittlich und alltäglich vermittelt wird; als etwas, das nie extra benannt werden muss. Eine solche Einordnung und Bewertung von Menschen anhand konstruierter Kategorien strukturieren diese Gesellschaft also hierarchisch. Unterdrückung funktioniert aber nicht nur anhand einzelner Kategorien wie Geschlecht oder Dis*Ability2, sondern oft als Mehrfachunterdrückung. Das bedeutet, dass eine Reihe ineinander verstrickter Unterdrückungsformen zum Tragen kommen. Das führt z.B. dazu, dass nicht alle als männlich* identifizierten Menschen gleich positioniert sind. Schwarze Männer* sind z.B. in einem weiß-dominierten Kontext weißen Männern gegenüber oftmals weniger privilegiert. Deshalb ist es uns wichtig, dass – auch wenn wir uns hier vor allem auf die Kategorie Geschlecht beziehen – andere wirkmächtige Kategorien und ihre Verschränkungen miteinander immer mitzudenken3.

Wir haben am Anfang schon erwähnt, dass jedem Kind spätestens nach der Geburt ein Geschlecht zugewiesen wird. Zur Auswahl stehen hier immer lediglich weiblich* oder männlich* – medizinisch definierte Uneindeutigkeiten werden normalerweise sofort operativ angepasst. An dieses vermeintlich biologisch vorgegebene Geschlecht ist die Erwartung gekoppelt, eine entsprechende Geschlechtsidentität anzunehmen. Die Geschlechtsidentität, die Dir von Geburt an vorgegeben wird, bestimmt unmittelbar, welche Position Du in dieser Gesellschaft inne hast. Deine Identität muss entweder männlich* oder weiblich* sein, und diese geschlechtliche Identität strukturiert, wie Du im Kleinen und im Großen dein Leben gestaltest. Welche Verhaltensweisen wurden und werden von Dir erwartet? Wer darf weinen und muss stark sein? Gibt es überhaupt irgendeinen Bereich Deines Lebens, in dem du dich nicht geschlechtlich inszenierst?
Es wird von dir erwartet, eine klar erkennbare Geschlechtsidentität zu haben und dich dementsprechend zu benehmen. Du musst als Frau* oder Mann* erkennbar sein – bist du dies nicht, wirst du dennoch irgendwie ins duale Schema gepresst. Wer gesellschaftlich als uneindeutig wahrgenommen wird, wird unsichtbar, und das bedeutet, marginalisiert und diskriminiert zu werden. Es ist quasi unmöglich, eine Sprache jenseits von Zweigeschlechtlichkeit zu benutzen. Beim Ausfüllen von offiziellen Formularen musst du z.B. immer dein vermeintliches Geschlecht angeben, hast aber fast immer nur nur die Wahl zwischen den Optionen „männlich“ und „weiblich“. Auch in den Medien werden Dir meist nur Frauen* und Männer* präsentiert. Es wird also deutlich, dass unsere Gesellschaft keinerlei Identitäten außerhalb von männlich* und weiblich* zulässt und vorstellbar macht. Du bist folglich ununterbrochen dazu gezwungen, dich und andere zuzuordnen4.
Zu Deiner geschlechtlichen Identität gehört auch Dein Begehren, Deine Sexualität. Die Einteilung in zwei Geschlechter beinhaltet auch, dass es als „normal“ angesehen wird, dass Du das jeweils andere Geschlecht begehrst, anziehend findest. Dieses heterosexuelle Begehren gilt als „natürlich“. Sexualitäten, die diesem Schema nicht entsprechen, werden als abweichend von der Norm bewertet und behandelt. Obwohl es mittlerweile vermeintlich gesellschaftlich akzeptiert ist, homosexuell zu sein, wird Heterosexualität als Normalität vorausgesetzt und Homosexualität muss durch ein „Coming Out“ immer extra benannt werden. Jegliche anderen Formen von Sexualität werden allerdings nach wie vor gesellschaftlich gar nicht anerkannt. Während alles jenseits von Hetero- oder Homosexualität außerhalb des gesellschaftlich Vorstellbaren liegt, wird auch mit Homosexualität meist ein gewisses Auftreten verbunden: Lesben wird ein nicht-weibliches* und Schwulen ein nicht-männliches* Verhalten zugeschrieben. Zudem wird u.a. homosexuellen Menschen der Zugang zu bestimmten gesellschaftlichen Bereichen, wie z.B. Familienplanung, abgesprochen. So wird z.B. bei heterosexuellen Paaren nicht grundlegend hinterfragt, ob diese in der Lage sind, Kinder zu bekommen und zu erziehen.

Die Einteilung in die zwei Geschlechter diskriminiert nicht „nur“ Menschen, die in diesem Schema als nicht eindeutig wahrgenommen werden, sondern konstruiert auch eine Hierarchie, in der Männer* und Frauen* nicht als gleich bewertet werden. In dieser Hierarchie befinden sich Männer* in privilegierten und Frauen* in diskriminierten Positionen. Doch wie bereits erwähnt strukturiert nicht nur die Kategorie „Geschlecht“ die Gesellschaft auf diese Weise: Mit dieser Kategorie verflochten wirken auch andere Herrschaftsformen, wie z.B. Rassismus, Dis*Ability, Klassismus und Antisemitismus.
Dass in Deutschland viele ökonomisch privilegierte Frauen* keine oder nur noch kaum klassische Hausarbeit machen müssen, heißt auf keinen Fall, dass diese Betätigung gesellschaftlich nicht mehr als „Frauenarbeit“ gesehen wird. Dieser Bereich wird jedoch mittlerweile oft mehrfach diskriminierten Frauen*, u.a. mit Migrationshintergrund, zugewiesen, deren gesellschaftliche Position noch schlechter ist als die einer weißen Frau*.

Wir finden die beschriebenen Verhältnisse unerträglich und wollen mit einer entschlossenen Demo ohne Cis-Männer* praktisch gegen diese Scheiße angehen. Wir wollen einen Raum schaffen, der in dieser Form viel zu selten in dieser Gesellschaft existiert: Einen Raum, in dem ausnahmsweise mal nicht Cis-Männer* in der Überzahl sind, die die Gestaltung in der Hand haben; die privilegiert und dominant sind; die sich ihren Raum nehmen können, wann und wo sie wollen; … Auch wenn nicht alle Männlichkeiten hegemoniale sind, wollen wir sie alle mit Absicht ausschließen, um auf die Privilegien der Kategorie „Cis-Mann“ aufmerksam zu machen. Die beschissenen Geschlechterverhältnisse bedeuten für Nicht-Cis-Männer* häufig alltägliche Kämpfe, und in diesen Kämpfen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – wollen wir uns am 30. April zusammentun und gemeinsam auf die Straße gehen.

Uns ist bewusst, dass die Betonung der Kategorien männlich* und weiblich* und der Ausschluss von Cis-Männern* auch immer eine Art „Stehen-Bleiben“ bedeutet, da so die Kategorien wiederholt und immer aufs Neue hergestellt werden. Irgendwo zwischen radikal dekonstruktivistischen Theoriekonzepten und real erlebten gesellschaftlichen Unterdrückungsmomenten geht es hier vor allem um eine Anerkennung und eine umfassende Kritik der beschriebenen Machtverhältnisse. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der alle Geschlechtsidentitäten gleich bewertet werden oder es die Kategorie Geschlecht gar nicht mehr gibt; du lieben kannst, wen du willst; deine Herkunft keine Rolle spielt; das koloniale Konstrukt von „Rassen“ überwunden ist und allen Menschen eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird. Innerhalb der bestehenden Verhältnisse halten wir es aber dennoch für notwendig, die von uns als konstruiert kritisierten Kategorien zu benutzen, um die damit einhergehenden Privilegien und Zwänge benennen und damit bekämpfen zu können.

Seit den 1970er Jahren gab es in Europa zur Walpurgisnacht, der Nacht zum 1. Mai, feministische Demonstrationen und Aktionen. Unter dem Motto „Take back the night“ wurde, unabhängig von diesem Datum, weltweit gegen sexistische und sexualisierte Gewalt und Übergriffe protestiert. Beides sind Bestandteile einer feministischen Geschichte, auf die wir uns beziehen wollen, auch wenn sie z.T nicht unproblematisch sind. Vor einigen Jahren wurde in Oldenburg begonnen, Motto und Datum zusammenzuführen und seitdem gab es dort einige tolle „Take back the night“-Demos ohne Cis-Männer* am Abend des 30. April. Dieses Jahr wollen wir in Hamburg demonstrieren – gegen die gleichen beschissenen Zustände, aber mal in einem anderen städtischen Kontext.

Wir wollen also mit dieser Demo unter dem Motto „Take back the night“ nachts auf die Straßen ziehen – aber ist es nicht ein Mythos, dass die nächtlichen Straßen für Frauen* ein gefährlicher Ort ist? Sicherlich passieren tatsächlich Übergriffe auf Nicht-Cis-Männer* an dunklen Orten, ausgeführt von Unbekannten. Aber wir wollen betonen, dass die sexistischen Strukturen alle gesellschaftlichen Bereiche prägen: Die meisten Übergriffe finden an Orten statt, die hell erleuchtet sind, z.B. Zuhause oder am Arbeitsplatz – und die Täter5 sind dementsprechend aus dem näheren Umfeld der Betroffenen. Weil sich Täter nämlich gar nicht verstecken brauchen: Denn Sexismus ist Normalität! Diese beschissene Normalität und diese Zustände, die am Tag und in der Nacht herrschen, wollen wir angreifen. Wir wollen den Mythos der gefährlichen Nacht dekonstruieren, indem wir in dieser Nacht gefährlich werden!
Wir wollen unsere Positionen deutlich sichtbar machen in diesen unsichtbarmachenden Zuständen!

  1. Cis-Männer: gemeint sind Menschen, die bei der Geburt als männlich* zugeordnet wurden und sich immer noch als Männer* definieren, oder sich mit ihrer Geschlechtsidentität und sozialen Geschlechterrolle noch nie auseinandergesetzt haben. [zurück]
  2. Dis*Ability: Dieser Begriff bedeutet soviel wie „Behinderung/Nicht-Behinderung“. Wir benutzen den englischen Begriff, weil das Wort „Behinderung“ ganz deutlich den Eindruck eines medizinischen Defekts vermittelt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es „ideale“ Körper gäbe, von denen die anderen abweichen. Für „Ability“ gibt es keine gute deutsche Entsprechung, die das ausdrückt, was sonst nie Erwähnung findet: Die Worte „Ability“ und „able bodied“ bezeichnen die sonst unbenannte Norm. [zurück]
  3. Schwarz – weiß: Die Begriffe „Schwarze“ und „People of Color“ (kurz: POC) sind positiv konnotierte Selbstbezeichnungen, die sich von kolonial geprägten und/oder rassistischen Fremdbezeichnungen bewusst abgrenzen. Sie beziehen sich nicht auf die Hautfarbe oder die vermeintliche „Ethnizität“ einer Person, sondern stellen politische Selbstpositionierungen und eine widerständige Praxis gegen die Markierung als Nicht-Weiße durch eine Mehrheitsgesellschaft dar. Damit deutlich wird, dass auch „weiß“ keine Beschreibung der Hautfarbe einer Person ist, sondern eine konstruierte Kategorie – und keine kämpferische Selbstbezeichnung – , schreiben wir weiß hier klein und kursiv. [zurück]
  4. Warum Frauen* und Männer*? Das Sternchen bei Frau*/Mann*, sowie bei männlich*/weiblich*, soll darauf hinweisen, dass wir diese Kategorien als gesellschaftliche Konstruktionen verstehen. Die Auffassung, Geschlechter und Geschlechtsidentitäten seien etwas „natürliches“, lehnen wir ab. Außerdem weist das Sternchen darauf hin, dass wir zwar als eins von 2 Geschlechtern sozialisiert werden, das jedoch nicht bedeutet, dass es nicht auch vielfältige männliche* und weibliche* Identitäten gibt. Z.B. gibt es nicht nur „hegemoniale Männlichkeit“ („hegemonial“ heißt in etwa „vorherrschend“), sondern auch weniger privilegierte oder unterdrückte Männlichkeiten. [zurück]
  5. Täter – warum nur die männliche* Form? Da die meisten Täter männlich* sind, verwenden wir hierbei ausschließlich die männliche Form. Damit wollen wir nicht diejenigen übergehen, die betroffen sind von Gewalt durch Frauen*. Wir wollen darauf hinweisen, dass es kein Zufall ist, dass hauptsächlich Männer* in dieser Gesellschaft zu Tätern werden, sondern strukturell bedingt. [zurück]
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http://trans.blogsport.de/2013/04/15/30-04-take-back-the-night-demo-in-hamburg/feed/
09. März: Feministische Demo in Münster http://trans.blogsport.de/2013/01/30/09-maerz-feministische-demo-in-muenster/ http://trans.blogsport.de/2013/01/30/09-maerz-feministische-demo-in-muenster/#comments Wed, 30 Jan 2013 18:31:49 +0000 w.i.r. Allgemein http://trans.blogsport.de/2013/01/30/09-maerz-feministische-demo-in-muenster/ Für mehr Informationen besucht ihr am besten den Blog der Vorbereitungsgruppe: gegen1000kreuze.blogsport.de

Raise your voice – your body your choice!

Wie bereits in den vergangenen Jahren, soll auch in diesem Jahr am 09. März der von „EuroProLife“ organisierte Gebetszug „1000 Kreuze für das Leben“ in Münster stattfinden. Dabei versammeln sich Abtreibungsgegner*innen1 unterschiedlicher politischer und weltanschaulicher Ausrichtung, um mitsamt ihren Kreuzen ein sexistisches, homophobes und frauen*feindliches Weltbild auf die Straße zu tragen und Frauen ihr Recht auf Selbststimmung abzusprechen.

Auf den ersten Blick mag der Gebetszug den Eindruck einer skurrilen und nicht ernstzunehmenden Veranstaltung erwecken. Die Kreuzträger*innen erscheinen manchen als verwirrte Fundamentalist*innen. Tatsächlich ist die Bewegung, die hinter Veranstaltungen wie „1000 Kreuze für das Leben“ steht, keine extreme und isolierte Randerscheinung, sondern Teil einer rückschrittlichen gesellschaftlichen Entwicklung. Diese findet sich in allen Lebensbereichen wieder und ist schon längst in breiten Kreisen der Gesellschaft verankert. Laufen in Münster nur knapp über Hundert Kreuzträger*innen durch die Stadt, so treffen sich in Berlin zu demselben Anlass mittlerweile jährlich weit über Tausend.

Nur die Spitze des Eisberges!

Auch wenn in einer kapitalistischen Gesellschaft – je nach wirtschaftlicher Situation und vorherrschender Verwertungslogik ( = die Bewertung von Menschen und Ressourcen alleine nach dem Kriterium ihres wirtschaftlichen Nutzens) – die zugewiesenen Geschlechterrollen flexibler erscheinen, bleibt doch die patriarchale Grundstruktur erhalten. Diese beruht u.a. auf der bürgerlichen Familie als Keimzelle der Gesellschaft, auf zugeschriebenen und vermeintlich unveränderlichen Geschlechterrollen in einem zweigeschlechtlichen System, sowie auf der Ausbeutung und Diskriminierung von Frauen. Von Frauen wird erwartet, dass sie gleichzeitig Kinder gebären, die Familie versorgen und Lohnarbeit leisten. So ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Deutschland zahlenmäßig zwar gestiegen, zugleich sind Frauen aber deutlich seltener als Männer durch ihr Erwerbseinkommen abgesichert (sog. Ernährermodell). Die traditionellen Rollenzuschreibungen, die religiösen Fundamentalist*innen, Nazis und anderen anti-emanzipatorischen Gruppen als „natürlich“ oder „von Gott gegeben“ gelten, sichern nach wie vor bürgerliche Werte, patriarchale Machtverhältnisse und männliche Dominanz. Patriarchale und autoritäre Vorstellungen von Geschlecht und Familie sind allerdings nicht nur ein Kernstück fundamentalistisch-religiöser Positionen und rechter/anti-emanzipatorischer Ideologien, sondern sie verbinden diese Positionen auch mit dem konservativen Mainstream und finden sich – unabhängig von sozialem Status – in breiten Teilen der Gesellschaft wieder.

Die Krise als Katalysator auf dem Weg in die Vergangenheit?

Verunsichert durch die allgegenwärtige Krise des Kapitalismus, Massenarbeitslosigkeit und die Angst vor sozialem Abstieg wird – in der Annahme, dass nur ein „starker Staat“ diese Gefahren abwenden könne – eine autoritäre Vorstellung von Staat und Gesellschaft von vielen als willkommener Lösungsvorschlag akzeptiert. Gerade in vermeintlichen Krisensituationen werden im gesellschaftlichen Mainstream konservative Vorstellungen hochgehalten oder (re)etabliert, fortschrittliche Positionen zurückgedrängt, erkämpfte Rechte und Freiräume angegangen und auf traditionelle Rollenbilder, etablierte Machtverhältnisse und altbekannte Diskriminierungsstrategien zurückgegriffen.
Damit einher geht zum einen die schrittweise Abschaffung von sozialen Rechten; die Verschärfung der Bedingungen für den Sozialleistungsbezug, der Abbau von Arbeitnehmer*innenrechten, die permanente Beschneidung des Versammlungsrechts, die Streichung der Gelder von Beratungsstellen für und von Selbsthilfegruppen sind nur einige Beispiele. Zum anderen begünstigt das Schüren sozialer Ängste und der Ruf nach einem „starken Staat“ mit konservativ-reaktionären Werten die Etablierung von Feindbildern. So wird zur Zeit der Islam von Medien und Politiker*innen zum äußeren Feind stilisiert, Europa wird zunehmend dicht gemacht, ein Bild von „Flüchtlingsströmen, die Deutschland überfluten“ gezeichnet und Migrant*innen und Erwerbslose als „Sozialschmarotzer*innen“ diffamiert.
Wie weit diese Entwicklung vorangeschritten ist, lässt sich unter anderem daran erkennen, dass in vielen Ländern Europas reaktionäre und/oder nationalistische Parteien im Aufwind sind, oder bereits Teile der Regierungen stellen und auch der religiöse Fanatismus immer mehr um sich greift.

Never step back! Erkämpfte Freiräume und Nischen verteidigen!

Die Liberalisierung des § 218 StGB, die rechtliche Anerkennung homosexueller Partner*schaften, Frauen- und Mädchenhäuser und andere Schutzräume für Frauen sowie die Abschaffung des §175 StGB2, sind nur einige Beispiele dafür, dass Feministinnen, Schwulen- und Lesbenaktivist*innen und andere emanzipatorische Bewegungen es in jahrelangen und mühevollen Auseinandersetzungen geschafft haben, Staat und Gesellschaft in diesem Bereich einige strukturelle Veränderungen abzutrotzen. Doch selbst diese wenigen erstrittenen gesellschaftlichen Zugeständnisse scheinen biologistische Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit, traditionelle Geschlechterrollen, das System der Zweigeschlechtlichkeit und die patriarchale Ordnung bereits so empfindlich zu stören, dass sie von religiös-fundamentalistischen, reaktionären und konservativen Kräften bekämpft werden. All diese kleinen Verbesserungen, Freiräume und Nischen gilt es zu verteidigen – wohl wissend, dass es sich um nichts mehr als Zugeständnisse und minimale Freiräume handelt und nicht etwa um die ersten Schritte zur Abschaffung der patriarchalen Verhältnisse.

Mein Bauch gehört mir!

Die Frauenbewegung der 1970er Jahre forderte, dass Frauen nur selbst über ihren Körper bestimmen können und die alleinigen Entscheidungsträgerinnen beispielsweise über die Fortsetzung oder den Abbruch einer Schwangerschaft sein sollen. „Mein Bauch gehört mir!“ – diese Parole konnte zumindest teilweise durch gemeinsamen, politischen Druck in die Praxis umgesetzt werden.
Heute werden leider nur noch selten feministische Forderungen in die Öffentlichkeit getragen.
Schwierige Lebenssituationen werden individualisiert und tabuisiert. So war auch der Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen früher häufig kollektiver und deshalb für einige Betroffene sicherlich einfacher. Erkämpfte Frauenräume machten es möglich Wissen weiter zu gegeben, Positionen zu entwickeln und sich gegenseitig bei Entscheidungen zu unterstützen. Der Verlust feministischer Freiräume äußert sich heute z.B. darin, dass ungewollt Schwangere nur noch selten darüber sprechen wenn sie über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken oder einen hatten. Oder darin, dass immer mehr Frauenhäusern und Beratungsstellen die Gelder gestrichen werden – obwohl die Anzahl der sexualisierter Übergriffe und Gewalttaten nicht abnimmt.

Jede*r ist ihres/ seines Glückes Schmied*in?

In einer ungerechten, individualisierten und auf Konkurrenz beruhenden Gesellschaft gibt es keine wirklich freien Entscheidungen. Was als persönliche Freiheit, Flexibilität und Individualität versprochen wird, ist in Wirklichkeit Vereinzelung, Entfremdung und Entsolidarisierung und dient der optimalen Einsetzbarkeit in der kapitalistischen Verwertung und dem Ziel den*die Einzelne*n bestmöglich in die Gesellschaft zu „integrieren“ und damit kontrollierbar zu machen. Wer in einer so normierten Gesellschaft scheitert, scheiter individuell, ist dann auch „selbst schuld“ und „hat alleine damit klarzukommen“. Unter dem Label der freien Entscheidung und der persönlichen Autonomie werden Menschen gezwungen in und mit den vorgefertigten Normen und Werten zu leben. Die Möglichkeit das eigene Leben jenseits dieser Normen zu führen, z.B. homosexuelle Beziehungen oder Beziehungen mit mehreren Menschen zu haben, bewusst keine Beziehung zu haben oder ohne Kinder zu leben, scheint den meisten immer noch undenkbar. Mit Menschen zu leben, die sich weder als Mann noch als Frau definieren, scheint gar ein Tabu und unvorstellbar zu sein.

Für uns ist es wichtig diese gesellschaftlichen Werte und Normen zu hinterfragen und anzugehen und auch die eigenen Diskriminierungsstrukturen, Zwänge und Normierungen zu kritisieren. Zweigeschlechtlichkeit, Geschlechterrollen, männliche Dominanz, Heterosexualität und die romantische Zweierbeziehung als Normalität müssen gerade auch in einer Linken, die eine Utopie von einer herrschaftsfreien, kollektiven Gesellschaft hat, kritisch hinterfragt werden. Umso wichtiger ist die Erhaltung emanzipatorischer, autonomer Projekte um Alternativen weiterentwickeln und aufzeigen zu können, um gemeinsam handeln und solidarisch für unsere Rechte streiten zu können. Und dabei geht es nicht darum Rechte nur für einzelne „Gruppen“ zu erkämpfen – denn es gilt immer noch, dass kein Mensch frei sein kann, solange es nicht alle sind!

Lasst uns immer wieder einschreiten, wenn rechtskonservative Fundamentalist*innen die Straße erobern wollen und ihnen unsere Kritik und unsere Utopien entgegensetzen!
Nicht wir schränken diese Leute ein, sondern diese Leute sprechen uns ab, selbst über unser Leben, unser Lieben und unsere Körper entscheiden zu dürfen! Aber wir entscheiden selbst – kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!

Für Selbstbestimmung in einer herrschaftsfreien und solidarischen Gesellschaft!

FLIT-Block: Das Absprechen der reproduktiven Selbstbestimmung durch die Kreuzzügler*innen richtet sich vor allem gegen Frauen, da meist sie diejenigen sind über deren Körper entschieden werden soll, wenn es um Schwangerschaftsabbrüche geht. Wir möchten keine Demonstration in der Männer für Frauen sprechen und demonstrieren, sondern eine, in der Männer solidarisch mit Frauen auf die Straße gehen. Deswegen haben wir uns entschlossen die ersten Reihen/den vorderen Teil der Demonstration als reinen FrauenLesbenInterTrans*-Block zu gestalten. Warum kein reiner Frauenblock, sondern auch Inter- und Trans*-Leute? Weil diese sowohl im Weltbild christlicher Fundamentalist*innen als auch in der Wahrnehmung von der Mehrheit der Gesellschaft nicht mal existieren, sie werden marginalisiert, zwangstherapiert und teilweise sogar zwangsoperiert um das „harmonische“ der Zweigeschlechtlichkeit nicht zu gefährden. Auch dagegen möchten wir mit dieser Demonstration vorgehen und halten es für sinnvoll diese Thematik auch durch einen entschlossenen vorderen FLIT*-Block sichtbar zu machen.

  1. Wir benutzen das „*“ um deutlich zu machen, dass es Menschen gibt, die nicht in die engen Kategorien Mann und Frau passen (wollen). Wir schreiben später trotzdem von Männern und Frauen um deutlich zu machen, dass die soziale, geschlechtliche Positionierung in unserer Gesellschaft immernoch unterschiedliche Privilegien hervorbringt. Das zweigeschlechtliche System lehnen wir ab, eben weil es nur zwei Geschlechter kennt und akzeptiert und zudem in eine Hierarchie bringt. [zurück]
  2. Der § 218 verbietet Schwangerschaftsabbrüche. Der § 175 stellte männliche Homosexualität zum Teil bis in die 1990er Jahre unter Strafe. [zurück]
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http://trans.blogsport.de/2013/01/30/09-maerz-feministische-demo-in-muenster/feed/
Stop Trans*-Pathologisierung Berlin 2012 http://trans.blogsport.de/2012/10/16/stop-trans-pathologisierung-berlin-2012/ http://trans.blogsport.de/2012/10/16/stop-trans-pathologisierung-berlin-2012/#comments Tue, 16 Oct 2012 12:00:34 +0000 autotrans* Allgemein http://trans.blogsport.de/2012/10/16/stop-trans-pathologisierung-berlin-2012/ Stop Trans*-Pathologisierung
Charité (Luisenstr. 57): Kundgebung 20.10.2012 3 uhr
Kundgebung für Trans*-Entpathologisierung. Trans* wird als „psychische Krankheit“ angesehen, die mit „Geschlechtsidentitätsstörung“ betitelt ist. Diese Diagnose des internationalen Krankheitskataloges ICD wird auch in Deutschland angewandt. Das gibt der Medizin und dem Staat die Kontrolle über unsere Geschlechtsidentität und unsere Körper. In der derzeitigen Überarbeitung der Krankheitskataloge beobachten wir eine fortlaufende Pathologisierung nicht hetero-normativer Geschlechtsidentitäten. Diese Stigmatisierung hat u.a. soziale Diskriminierung, auch im Gesundheitswesen zur Folge. „Konversionstherapien“ u.a. Formen von institutionalisierter Gewalt negieren das Menschenrecht auf Selbstbestimmung und freie Entfaltung der Persönlichkeit.
Mit einer internationalen Kampagne mit mehr als 300 Gruppen in einem weltweiten Netzwerk fordern wir an einem Internationaler Aktionstag: Die Streichung der Diagnose „Geschlechtsidentitätsstörungen“ aus den Krankheitskatalogen! Berliner Bündnis „Stop Trans*-Pathologisierung 2012″
Ort: vor Institut f. Sexualwissensch. und Sexualmedizin d. Charité, Luisenstr. 57 (S/U Friedrichstr.)

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http://trans.blogsport.de/2012/10/16/stop-trans-pathologisierung-berlin-2012/feed/
Support CeCe McDonald http://trans.blogsport.de/2012/09/11/support-cece-mcdonald/ http://trans.blogsport.de/2012/09/11/support-cece-mcdonald/#comments Tue, 11 Sep 2012 07:54:09 +0000 w.i.r. AllgemeinRassismusrepressiontransphobieUSA http://trans.blogsport.de/2012/09/11/support-cece-mcdonald/ Weitergehende Infos auf der Seite Support CeCe Mc Donald!

Am 5. Juni 2011 war CeCe McDonald mit Freund*innen im Supermarkt. Auf dem Rückweg wurden sie vor einer Bar von einem Mob Weißer rassistisch und transphob beleidigt. Als CeCe äußerte, dass ihre Gruppe Hate Speech nicht tolerieren würde, wurde ihr von einer Person ein Glas ins Gesicht geschlagen, woraufhin ihre Wange aufplatze und später mit 11 Stichen genäht werden musste. Außerdem wurde ihre Speicheldrüse massiv verletzt. Es entwickelte sich ein Kampf zwischen beiden Gruppen, wobei einer der Angreifer zu Tode kam.

Die einzige Person die an diesem Abend verhaftet wurde, war CeCe McDonald. Sie wurde in den Männerknast gesteckt und wegen Mordes angeklagt. Die Angreifenden hatten keine juristischen Konsequenzen zu befürchten.

Im Mai diesen Jahres fand die Juryauswahl für den Prozess statt. Aus Angst vor lebenslanger Freiheitsstrafe bekannte sich CeCe der Körperveletzung mit Todesfolge schuldig und bekam 41 Monate Knast. Sie hat die Chance auf verkürzte Haftzeit und könnte nach 21 Monaten wieder rauskommen. Doch auch 21 Monate und dann auch noch als afro-amerikanische trans*Frau im Männerknast sind nicht zumutbar. Zumal sich CeCe in Notwehr gegen einen rassistischen und transphoben Mob wehrte.

Zeigt euch solidarisch mit CeCe und schreibt ihr Briefe ins Gefängnis an folgende Adresse:

Chrishaun McDonald
OID #238072
Minnesota Correctional Facility-St. Cloud
2305 Minnesota Boulevard S.E.
St. Cloud, MN  56304
USA

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Kritik zum Film „Tomboy“ http://trans.blogsport.de/2012/05/11/kritik-zum-film-tomboy/ http://trans.blogsport.de/2012/05/11/kritik-zum-film-tomboy/#comments Fri, 11 May 2012 05:51:49 +0000 w.i.r. AllgemeinFilmKritikTomboy http://trans.blogsport.de/2012/05/11/kritik-zum-film-tomboy/ Gelobt wird der seit neuestem in den Kinos zusehende Film Tomboy. Als unbeschwertes Spiel mit Geschlechtsidentitäten und Rollenklischees. Als Film der „Leichtigkeit“ darstellen würde (Filmstart Kritiken) „ohne jede pädagogische Anstrengung“ (FAZ). Doch diese Sichtweise können wohl nur Menschen teilen, die nicht selbst von der Gewalt betroffen sind, die anderen entgegengebracht werden, deren Geschlechterperformance Irritationen hervorruft. Auch der Spiegel lobt den Film, verweist aber gleichzeitig auf Boy’s don‘t cry, ein 1999 erschienener Film über einen Trans*Mann. Allein dieser Vergleich lässt das Fazit leichte Lektüre nicht zu, denn wie in Boy’s don‘t cry stellt auch Tomboy Gewalt dar und und ist zudem durch seine Darstellungen selbst gewalttätig.

Aber der Reihe nach, denn nicht alles ist schlecht an diesem Film. Eine Familie mit zwei Kindern, zieht in eine neue Stadt. Das ältere von ihnen Laure/Michael ist die Hauptfigur des ganzen Films. Bis zum Ende bleibt die Geschlechtsidentität des Kindes offen. Genau diese Offenheit ist eine große eigentlich die größte Stärke des Films, denn es gibt keinen Grund sich festzulegen. Ein Spiel mit den Identitäten, oder doch nur mit den Rollenvorstellungen, oder doch ein Trans*Junge? Der Film umgeht mit seiner Offenheit die starren Vorstellungen Junge oder Mädchen, Trans*Junge oder CisMädchen, CrossDresser*in oder sonstwas sein zu müssen. Laure/Michael scheint Lust daran zu haben sich auszuprobieren und zumindest zeitweise als Junge wahrgenommen werden zu wollen. Diese Lust geschieht ohne den Zwang sich in die Schublade trans* einordnen zu müssen, mit etwas Schüchternheit aber doch insgesamt mit einer Leichtigkeit, die schön zu sehen ist.

Mindestens genauso schön zu sehen ist die Solidarität der kleinen Schwester. Sie ertappt Laure/Michael bei der Darstellung als Junge und weiß das Geheimnis auszunutzen um zum Spielen zu den anderen Kindern mitgenommen zu werden. Doch sie verspricht sich nie und sogar vor den Eltern scherzt sie mit dem Geschwisterkind über einen Michael, der ihr von den Kindern am besten gefallen hätte. Dieser solidarische und sehr schnell selbstverständliche Umgang lässt das Bild einer perfekten Familie entstehen. Nach ca. einer Stunde des Films hätte dann auch Schluss sein können, ganz ohne Spannungsbogen und Wendung, einfach nur ein bisschen Balsam für die Seele, in der sonst manchmal so nervigen Welt. Warum auch nicht mal einen Film machen, der einfach nur schön ist und schildert wie schön es sein kann, auch als Kind, was nicht in die Klischeevorstellungen passt?

Aber nein der Film musste leider kippen und das auch noch so platt wie viele andere Mainstream Trans*Jungsfilme. Laure/Michael fliegt auf und nach dem die Mutter durchdreht muss das Kind vor den anderen im Wald fliehen. Schafft es nicht wegzurennen und wird schließlich von der ursprünglichen Freundin ausgezogen, damit es alle anstarren können. Warum? Natürlich gibt es Gewalt gegen Menschen deren Gender Irritationen hervorruft und die kann/darf/muss (!?) auch thematisiert werden. Doch Gewalt ist vielschichtig und sehr verschieden, auch gegen (vermeintliche) Trans*menschen! Warum nicht verprügeln, anspucken, auslachen, falschen Namen benutzen, Fahrrad klauen…? Warum wie bei jedem Mainstream Film der ein ähnliches Thema hat („Mein Freund aus Faro“, „Seventeen – Mädchen sind die besseren Jungs“, „XXY“, …) nach dem Boy’s-don‘t-cry-Schema vorgehen, dass die Person wegrennen muss und/oder ausgezogen wird? Soll das die Gewaltvorstellungen des überwiegend Cisgender1-Publikums gegenüber queeren Menschen widerspiegeln? Diese gleichförmige Gewaltdarstellung zeigt zudem nicht einfach nur neutral die Gewalt gegenüber einer einzelnen Person. Sie stellt zugleich durch die permanente Wiederholung eine Drohung an alle queeren Leute dar. Ähnlich wie die ständige Darstellung, dass Vergewaltigungen von Fremden in dunklen Parks ausgehen den Diskurs bedient, dass Mädchen und Frauen nachts nicht allein auf die Straße sollen.

Die überforderte Mutter bleibt mit ihren übergriffigen Handlungen (Laure/Michael gegen ihren*seinen Willen und ohne Planung bei allen zu outen) völlig unkritisiert stehen. Wenigstens der Vater als Ausgleich und aufzeigende Handlungsoption, dass das was die Mutter macht nicht alternativlos ist, wäre schön gewesen. Der Vater allerdings zieht sich völlig zurück und hält sich anscheinend aus der Klärung des Konflikts komplett raus.

Selbst gewaltvoll wird der Film, als er die beiden Kinder beim Baden zeigt, die Darstellung der nackten kleinen Schwester vermeidet und nur Laure/Michael nackt in der Badewanne stehen muss. Vermutlich soll damit die voyeuristische Neugier des*der Zuschauer*in gestillt werden nun endlich zu wissen, was sich zwischen den Beinen des Kindes befindet und „von welchem Geschlecht“ das Kind gespielt wird. Eine komplett überflüssige Szene, die bei Trans*menschen nichts als Magenkrämpfe verursacht. Die Uneindeutigkeit, die Laure/Michael als Filmfigur nicht zugestanden wird, darf auch Zoe als Schauspieler*in nicht genießen. In dem Film werden Eltern und Kinder gewalttätig, das Publikum wird früh aufgeklärt um die Ungewissheit nicht aushalten zu müssen. Schade.

Als letztes bleibt die offene Frage, was mit dem Ende beabsichtigt wurde. Nach dem gewaltvollen Verhalten der Freundin, fragt diese erneut nach dem Namen und Laure/Michael nennt den Passnamen (den er*sie möglicherweise auch als den eigenen ansieht, das ist hier nicht der Punkt). Danach grinsen beide und Ende ist. Was soll das bitte aussagen? Wenn mensch aufhört zu lügen haben eine*n alle wieder lieb? Einen Sommer lang kann mensch ja rumspinnen, aber danach muss das auch wieder aufhören und wir tun so als wär nichts gewesen? Wir stellen die heteronormative Ordnung wieder her, sind einfach „nur“ Freundinnen und unsere Freundschaft übersteht das auch wenn „du“ komisch bist?

Aus der Sicht von Betroffenen (Trans*menschen, Genderqueers, etc….) hat Celine Sciamma mit diesem Film weder etwas neues noch sonderlich gehaltvolles auf die Leinwand gebracht. Filme sollten vielleicht nicht über Trans*menschen/Genderqueers gemacht werden, sondern mit ihnen. Dann ist eine respektvolle Darstellung auch wesentlich wahrscheinlicher.

  1. Cis als sprachliches Pendant zu Trans. Cisgender sind dementsprechend Menschen, die sich mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren können. [zurück]
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politicizing trans-conference 24.-27.5.2012 berlin http://trans.blogsport.de/2012/05/10/politicizing-trans-conference-24-27-5-2012-berlin/ http://trans.blogsport.de/2012/05/10/politicizing-trans-conference-24-27-5-2012-berlin/#comments Thu, 10 May 2012 14:10:24 +0000 autotrans* Allgemein http://trans.blogsport.de/2012/05/10/politicizing-trans-conference-24-27-5-2012-berlin/ http://transformingpolitics.blogsport.de/programme/
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Programme | 23.-29.5. | Berlin
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Day I | 23.5. | Wednesday
18:00 | Galerie Funke | Opening of the exhibition:
to dyke trans | dis_visualizing re_locating de_silencing
daily open 16:00 to 20:00 | closing: 29.5.
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Day II | 24.5. | Thursday
10:00 | HU Berlin | Open lecture: Trystan Cotten: Middle Passages: Race, Space, and Migration in the African Diaspora
13:00 | Lesbenberatung e.V. | Workshop | Trystan Cotten: Transgender Migrations (application closed)
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Day III | 25.5. | Friday
10:00 | HU Berlin | Open lecture: Elana Dykewomon: Making a way where no words for the way exist
14:00 | GLADT e.V. | Workshop | Elana Dykewomon: Dyke_transgressive Locations and Linguistic Practices (application closed)
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Day IV | 26.5. | Saturday
10:00 | HU Berlin | Open lecture: Dean Spade: Critical Trans Politics and the Limits of Law
14:00 | Lesbenberatung e.V. | Workshop | Dean Spade: Intersectional Approaches to Trans Scholarship and Resistance (application closed)
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Day V | 27.5. | Sunday
17:00 | Südblock | Presentation: Şevval Kılıç: Trans-Sexwork and Police Repression in Istanbul (no registration required)
17:00 | Südblock | Presentation: Şevval Kılıç: Trans-Sexarbeit und Polizeirepressionen in Istanbul. Die Veranstaltung ist in englisch mit türkischer und deutscher Flüsterübersetzung
21:00 | Südblock | Dünya Yerinden Oynar!: Soli Party for Istanbul LGBT Association and the 3rd Istanbul Trans Pride: Spoken Word Performances & DJ-set by DJ AmIrani, Lisalotta P. and DJ Ipek Ipekçioğlu

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