Trans*phobie

(English translation)

Trans*phobie ist ein diskriminierendes und nicht anerkennendes Verhalten gegenüber Trans*personen. Der zentrale Punkt ist die Nicht-Anerkennung der Selbstdefinition / dass jede_r das eigene Geschlecht und alles, was damit zusammenhängt, selbst definieren kann. Selbstdefinition ist – wie der Name schon sagt – keine Verhandlungssache.

Es gibt verschiedene Arten von Trans*phobie, die sich in verschiedenen Lebensbereichen äußern: strukturelle (z.B. Sprache), institutionelle Diskriminierungen (durch Institutionen, wie Ämtern, Gerichten etc.) und personale Trans*phobie, die sich im privaten Umgang mit Menschen zeigt. Mit der wollen wir uns jetzt hier auseinandersetzen.

Eins vorweg: wir alle machen Fehler, und das ist okay. Nicht okay ist, eine Auseinandersetzung mit den eigenen Fehlern zu verweigern.

Trans*phobie äußert sich nicht nur in körperlicher Gewalt oder Beleidigungen, sondern begegnet uns subtil im Alltag:

Trans*phobie äußert sich zum Beispiel im unerlaubten Outen einer Trans*person. Während einige Leute sehr offen mit ihrem Trans*sein umgehen, leben andere lieber ungeoutet oder outen sich je nach Situation. Das wichtigste ist: Nur die Trans*person selbst darf entscheiden, ob sie in einem bestimmten Zusammenhang out sein möchte oder nicht. Das gehört zur informationellen Selbstbestimmung, die für uns alle selbstverständlich ist. Und wenn die Person dir gegenüber / in der WG / in einer Gruppe etc. out ist, muss sie das nicht überall sein (wollen). Daher: Lieber mal unter vier Augen fragen, als einfach outen.

Pronomen und Namen sind sehr wichtig – sie sind der beste und vor allem häufig der einzige Indikator für (Nicht-)Akzeptanz. Mal ein falsches Pronomen oder einen falschen Namen aus Versehen rausrutschen zu lassen, ist nicht das Ende der Welt. Aber sich nicht zu verbessern, ein Riesenthema daraus zu machen oder sogar darauf zu bestehen, ist trans*phob. Das gilt genauso, wenn etwas aus der Vergangenheit erzählt wird, als die Person noch nicht out war oder sich vielleicht tatsächlich anders definiert hat als heute. Vielleicht mag die Person den zugewiesenen Namen in Verbindung mit sich selbst gar nicht mehr hören. Wenn in dem Fall die Benutzung des alten Namens keine Fremdzuschreibung ist, dann ein Outing allemal.

Bewertungen, wie sehr bzw. wie wenig eine Person den Klischeevorstellungen entspricht, auch wenn sie gut, anerkennend gemeint sind, wirken anmaßend und normierend. „Positive“ Anerkennung wertet zugleich andere Personen ab, die den Kriterien nicht entsprechen wollen und/oder können. Oft sind solche Zuschreibungen auch haarsträubend sexistisch – bei Cismenschen denken die Leute vielleicht zweimal nach, ob sie so etwas von sich geben. Wir finden es erstrebenswert, gar nicht in Rollenzuschreibungen zu denken und zu kategorisieren.

Als Trans*Menschen verstehen sich alle möglichen Identitäten, die von dem ihnen vorgegebenen Geschlecht abweichen. In der zweigeschlechtlich normierten Gesellschaft, in der wir nun leben, wird dann oft versucht, Trans*menschen dazu zu drängen, dann aber auch 100% Frau (also Transfrau) oder Mann zu sein. Übersehen oder verunmöglicht werden dabei die vielen Identitäten dazwischen: wedernoch oder beides oder keins oder was auch immerzu sein.

Trans*phobie offenbart sich auch in Respektlosigkeiten, im hemmungslosen Ausfragen intimer Details, in dem Glauben, dass jede_r einen Anspruch auf Wissen hat über Körper, sexuelles Begehren, medizinische Maßnahmen etc. Auch Trans*menschen haben eine Intimsphäre, die genauso respektiert werden muss wie bei allen anderen auch.
Außerdem entmachtet die Fokussierung auf Körperliches / auf Biologie die Menschen in ihrer Selbstbestimmung. Ihre Selbstdefinition muss respektiert werden unabhängig davon, was Biologie oder Medizin zu ihren Körpern sagen.

Trans*phobie lässt Menschen glauben, dass sie eine Trans*person jederzeit mit Trans*themen bzw. allem, was ihnen dazu einfällt, voll quatschen können, ohne nachzudenken, ob die Person jetzt oder überhaupt Lust auf solche Gespräche hat. Kein Mensch ist ausschließlich nur trans*, sondern ist im Alltag mit vielen Dingen/Themen beschäftigt, die vielleicht interessanter oder dringlicher sind, als rund um die Uhr Leute über Trans* aufzuklären.

Trans*phobie zeigt sich in einer Geringschätzung und Abwertung von Problemen einer Trans*person, im Herunterspielen trans*phober Erfahrungen, in dem „stell‘ dich nicht so an“ und dem „nimm das nicht so ernst“, in dem Solidarisieren mit Personen, die sich trans*phob verhalten (weil sie „meinen das ja nicht böse“). Trans* als „persönliches Schicksal“ einer einzelnen Person bzw. einer ganz kleinen Minderheit entpolitisiert / aus dem politischen Diskurs ausgeschlossen und nicht als soziales Problem erkannt.

Last but not least: die alltägliche Trans*phobie zeigt sich in der stillschweigenden Annahme, dass keine Trans*menschen anwesend seien (solange sich nicht welche geoutet haben), in dem fehlenden Bewusstsein, dass eine jede Person trans* sein könnte, ohne dass „man das erkennt“, und daraus resultierenden Problemen, die für Trans*menschen das Leben erschweren. Sei es auf Toiletten, in den Duschen, Umkleiden oder anderen Räumen, die als monogeschlechtlich ausgewiesen sind, oder wenn Personen einen Ausweis zeigen oder ihren Namen nennen müssen. Wir leben in einer zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaft, und wer mit dem eigenen zugewiesenen Geschlecht glücklich ist, kommt selten in Verlegenheit überhaupt wahrzunehmen, wo diese Zuordnung in unserem Alltag eine Rolle spielt und zum Hindernis für andere Menschen wird. Geht nicht davon aus, dass keine Probleme vorhanden sind, wenn ihr keine erkennt, sondern bleibt offen, sensibel, achtsam, aber nicht bevormundend, und zeigt Solidarität!

Unterstützung
So, jetzt noch kurz ein paar Sätze, wie ihr Trans*Leute unterstützen könnt, denn oft ist das Leben einfacher, wenn in einer trans*phoben Umwelt nicht alles denen davon betroffenen überlassen wird. Die müssen sich ja schon tagtäglich damit auseinander setzten.

- Also, trans*phobes Verhalten als solches bemerken und benennen – denn nur dann können wir dagegen was tun.

- Infos gibt’s genug, im Internet, bei trans*spezifischen Gruppen etc. Sich erstmal selbst informieren ist super.

- Auch andere Leute informieren und sensibilisieren ist nicht schwer. Z.B. den Trans*Respect-Flyer auslegen…

- Trans*Leute bei Räumlichkeiten mitdenken (Klos, Duschen z.B.)

- Auf Zuschreibungen in der Sprache achten (z.B. „Person“ sagen anstatt Mann/Frau, wenn man es von einer Person nicht weiß, weil sie sich nicht dazu geäußert hat). Bei z.B. Arbeitsgruppen, die sich noch nicht kennen, zum Namen in der Vorstellungsrunde noch das Pronomen zufügen.

- generell Rollenzuschreibungen und Vorausannahmen unterlassen, thematisieren und nicht reproduzieren.

- bei Bullenkontrollen/Bahnkontrollen anderen Unannehmlichkeiten aufeinander aufpassen, (z.B. bekommen Trans*Leute oft Stress, wenn sie nicht dem Geschlecht, dass auf ihrem Pass steht zugeordnet werden).

- Versuchen, nicht nur den Namen und das gewünschte Pronomen einer Trans*Person zu benutzen, (und sich was anderes bei zu denken), sondern es auch zu denken hilft, zweigeschlechtliches Denken im eigenem Kopf aufzubrechen.

- Andere korrigieren, wenn klar ist, dass die Person in diesem Raum/Kontext anders genannt werden will.

Wir finden es wichtig, sich in linken Zusammenhängen mit Trans*phobie (und anderem diskriminierenden Verhalten) BEI UNS auseinander zu setzen, um eine Basis zu haben, auf der wir miteinander leben und arbeiten können, um gemeinsam etwas zu erreichen!

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