The Long Way Home – Erlebnisse einer Transfrau im Polizeigewahrsam

(English version)

Anfang 2010 wurde ich festgenommen, als ich nach einer Party mit Freund_innen nach Hause gelaufen bin. Ich werde euch die Einzelheiten der Festnahme sparen, da der Prozess noch läuft. Aber ein paar Infos über mich, um den Text besser positionieren zu können – ich bin eine junge weiße Transfrau mit einem westeuropäischen Pass.

Ich wurde von Polizist_innen angegriffen, die mir Handschellen anlegten und mich hinten in einen Polizeiwagen geworfen haben. Dann wurde ich sofort gefragt, ob ich ein Mann oder eine Frau sei. Ich habe geantwortet, dass ich eine Frau bin. Eine Polizistin hat dann angefangen, mich zu durchsuchen. Meine Hände waren in Handschellen hinter meinem Rücken, also konnte sie nicht mehr als meine Hosentaschen und meine Gürteltasche durchsuchen.

Sie hat meinen Passport gefunden und ein fettes „M“ darauf gesehen. Alle starrten mich an. Ich wurde nochmal gefragt, ob ich eine Frau oder ein Mann sei. „Ja, natürlich bin ich eine Frau.“ habe ich geantwortet. Aber dann ging es um meine Hose – oder darum was genau in meiner Hose sei. Es war total egal, ob ich seelisch eine Frau bin (oder gesetzlich ein Mann?!), es ging nur um ‚Penis‘ oder ‚Scheide‘. „Sind Sie umgebaut?“ haben sie mich tatsächlich gefragt. Ich fand das Ganze total blöd und habe mehrmals wiederholt, dass ich eine Frau sei. Nach einem kurzen Streit über den Inhalt meiner Hosen, haben sie mit den Fragen aufgehört und ich wurde von zwei Frauen weiter durchsucht. Das war die kürzeste Durchsuchung meines Lebens.

Die Reaktionen der Polizist_innen im Streifenwagen waren ziemlich unterschiedlich. Einer hat mich die ganze Zeit bedrohlich angeguckt, Andere haben mich immer als „es“ bezeichnet und ein paar haben mir gesagt, dass es für sie total OK sei, dass ich trans bin (die wollten mich am Ende doch durchsuchen..).

Nach ewiger Zeit im Wagen wurde ich mit den anderen Gefangenen in die GeSa abtransportiert. Dort war es mehr oder weniger das Gleiche. Ich wurde in eine Zelle geworfen und zwei Polizistinnen haben mich gefragt, ob ich einen ‚Penis‘, eine ‚Scheide‘ oder ‚beides‘(!) habe. Ich war inzwischen von dieser Frage ziemlich genervt und habe nochmal wiederholt, dass ich eine Frau bin.

Nach einem 10 minütigen Streit über meine „Verklemmtheit“ („Es ist nicht das 19 Jahrhundert!“), haben sie mir gesagt, dass ich, wenn ich nicht richtig antworte, meine Hose ausziehen müsse, um alles zu klären. Ich habe aber geantwortet, dass die zwei Polizistinnen nicht meinen angeblichen ‚Penis‘ sehen und Polizisten auch nicht meine angebliche ‚Scheide‘ sehen dürften, also wäre das Ganze ein bisschen schwierig. Stattdessen haben sie meine Hosen für ein paar Sekunden blöd angeguckt Schließlich bin ich von den Polizistinnen einfach durchsucht worden. Das war die zweitkürzeste Durchsuchung meines Lebens.

Nach meiner Durchsuchung haben sie von mir verlangt, eine Blutprobe abzugeben. Weil ich so viel Widerstand gegen ihre Fragen geleistet habe, müsse ich ihrer Meinung nach viel Alkohol konsumiert haben. Ich habe das auch verweigert und am Ende haben sie eine Anordnung vom Richter bekommen.

Postskriptum
Ich habe nach meiner Festnahme erfahren, dass es in Berlin die Möglichkeit für Transmenschen gibt, das Geschlecht der durchsuchenden Beamten auszuwählen. Dies muss aber auf Papier mit Unterschrift festgehalten werden (aber ansonsten nichts unterschreiben!) und es wird ein_e Polizist_in als Zeug_in gebraucht. Eigentlich sollten die Bullen das wissen, aber wahrscheinlich haben die meisten den ‚Diversity‘-Teil ihrer Ausbildung verschlafen.

Also, wie immer: Unterschreibe (fast) nichts, mache keine Aussage und wenn sie dein Blut oder deine DNA verlangen, lege Widerspruch ein!

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